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Freudenstadt

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 Mehr über Freudenstadt 
Der Ort
  Das Stadtwappen
  Schultheißen in Freudenstadt
  Kirchenbezirk Freudenstadt
  www.landkreis-freudenstadt.de
Wappen Freudenstadt
Teilorte: Dietersweiler, Grüntal-Frutenhof, Igelsberg, Kniebis, Lauterbad, Musbach, Wittlensweiler
Höhe: 640 - 1.000 m
Fläche: 8.759 ha
Bevölkerung: 23.736 Einwohner
Quelle: Landkreis Freudenstadt, Kurzbeschreibung der Städte und Gemeinden, URL: http://www.landkreis-freudenstadt.de

 

 

 

"Dise Statt war erstlich von dem Erbawer Hertzog Fridrich in An. 1601 Friedrichs Statt genannt." So berichtet Merian in seiner Beschreibung Schwabens vom Jahre 1643. Andere Gewährsmänner sprechen davon, daß die neue Stadt zuerst Friedrichs Freudenstadt geheißen habe. Auch der Stadtpfarrer Jeremias Baldenhofer, der von 1668-71 hier seines Amtes waltete und eine sorgfältig angelegte "Kurzte Beschreibung" von Freudenstadt handschriftlich hinterließ, an deren Vollendung ihn leider Krankheit und Tod hinderten, spricht von der ursprünglichen Benennung "Friedrichsstadt", und der machte seine Angaben nach den Mitteilungen der ältesten Bewohner der Stadt.

In mitten der Wälder des Nordschwarzwalds liegt die große Kreisstadt Freudenstadt. Freudenstadt wurde 1599 durch Erzherzog Friedrich von Württemberg gegründet. Seinem Baumeister Heinrich Schickhardt ist der mühlbrettartige Grundriß der Stadt zu verdanken. Das Wahrzeichen ist die Stadtkirche, ein Renaissancebau in charakteristischer Winkelbauweise. Freudenstadt ist heilklimatischer Kurort und bietet zahlreiche Angebote für Kur und Erholung. Besonders attraktiv ist das Panoramabad, ein Erlebnisbad in der Halle und im Freien mit Saunalandschaft. Eine weitere Attraktion Freudenstadts ist der größte Marktplatz Deutschlands.


Bild von: http://www.schwarzwald.com/freudenstadt/index.html

Freudenstadt baut auf drei Leuten: Dem württembergischen Herrscher Friedrich I, Heinrich Schickhardt, und dem Stadtschultheiß Alfred Hartranft.

Friedrich wurde 1557 im französischsprachigen Mömpelgard (heute Montbéliard) geboren, hatte die Schrecken der Hugenottenkriege und die schauerliche Pariser Bluthochzeit miterlebt. In seiner Herrschaftszeit pflegte er überaus gute Verbindungen zu Frankreich und England. Er träumte immer von einem einflussreichen Herzogtum.

Die Entstehung Freudenstadts hat vor allem politisch - geografische Gründe: Ende des 16. Jahrhunderts beschloss Herzog Friedrich I, ein Bindeglied zwischen seinem linksrheinischen Besitz und dem rechtsrheinigem Württemberg zu schaffen. Ein solches Staatsgebilde, welches sich vom Burgund bis nach Stuttgart erstrecken würde, sollte dementsprechend durch eine große Residenz gewürdigt werden, was die großzügige Konzipierung Freudenstadts erklärt.
Friedrich träumte von einer Einwohnerzahl von nahezu 4000 Menschen, wenn man bedenkt, dass Berlin zu der Zeit "nur" (auf heutige Verhältnisse bezogen) 6000 Einwohner hatte, war das kolossal. Um nun dem Größenwahnsinn Friedrichs gerecht zu werden, musste ein herausragender Baumeister her. Die Wahl fiel auf den begnadeten Heinrich Schickhardt.
Schickhardt, beeinflusst von der italienischen Spätrenaissance, entwarf auf Grundlage eines Mühlespiels den Stadtkern, wie wir ihn heute noch kennen. Ein Schloss sollte im Mittelpunkt Freudenstadts entstehen, mit luftigen Arkaden rings um den Marktplatz, in denen der zur Visite kommende Adel und ihre Hofgesellschaften flanieren können sollten. Fürstlich sind die Maße des Marktplatzes mit 220 mal 209 Meter wirklich, sie verfehlen auch heute nicht die Wirkung, die ihnen damals angedacht waren: Die umlaufenden Arkaden, die mit Blumen geschmückten Balkone, die schöne Ausführung mit Pflastersteinen, die stattlichen Bürgerhäuser, das "geordnete" Grün, geben dem größten Marktplatz Deutschlands ein schon beinahe südliches Flair. Theodor Heuss tituliert Freudenstadt als "ersten höherentwickelten Städtebau nördlich der Alpen".
Das Schloss wurde nie verwirklicht, vor allem deshalb, weil Friedrich immer knapp bei Kasse war, und auch den Rang einer württembergischen Hauptstadt erreichte Freudenstadt nicht. Immerhin schaffte das "mitten im förchtigen Wald" (Schickhardt) gelegene Städtchen den Aufstieg zu einem prominenten Kurort, in dem Leute von Rang und Klang Ruhe, Erholung und Genesung suchten und fanden. Dies ist dem Stadtschultheiß Alfred Hartranft zuzuschreiben, welcher die Heilkräfte der frischen Schwarzwaldluft entdeckte und diese auf internationalem Gebiet zu vermarkten wusste.
Nachdem die Festungswälle abgebrochen, Straßen angelegt, und eine Eisenbahnlinie als Verbindung zur Außenwelt gebaut worden war, kam 1881 der erste Kurgast - ihm folgten und folgen unzählige mehr. Die Stadt lässt ein nobles Kurviertel errichten, errichtet und unterhält ein Kurtheater, bietet Schneeschuhlaufkurse an und erhält ab 1929 einen eigenen Golfplatz - zudem gibt es ein luxuriöses Angebot an Hotels und Herbergen. 1937, kurz vor dem zweiten Weltkrieg, zählt man 65000 Gäste, darunter viele Engländer und Amerikaner; bekannte Personen wie Rockefeller und Twain, sogar indische Maharadschas mitsamt großem Gefolge, reisen an.
Zeitsprung zum Ende des Zweiten Weltkrieges, 1945. Von der Herrlichkeit Schickhardts war nach unzähligen Bombeneinschlägen und einem fast kompletten Ausbrennen der Innenstadt nicht viel übrig geblieben. Aber die Freudenstädter lassen sich so schnell nicht unterkriegen: Die Mischung aus dickköpfigem Nordschwarzwälder und lebensfrohen Kärntern und Steiermärkern, die in der Fremde Zuflucht vor der Glaubensverfolgung in ihrer Heimat gesucht hatten, bewährte sich ein weiteres Mal - die "Stehaufmännchenmetalität" verbunden mit dem unerschütterlichen Lebensoptimismus, die den Freudenstädtern innewohnt, ließ ihnen sogar noch Platz zur Selbstironie: Eine Gedenksäule auf dem Marktplatz, die an die Zerstörung und den 1954 abgeschlossenen Wiederaufbau erinnert, wird respektlos "Hypotheken-Venus" genannt.
Auch heute hat sich am visuellen Erscheinungsbild der Innenstadt nicht viel geändert: Der weitläufige freundliche Marktplatz mit den Arkaden ist wunderschön erhalten. Doch Freudenstadt ist nicht der Ort, an dem die Zeit vorbeigeht. Auch neues ist zu finden, wie beispielsweise das moderne Kur- und Kongresszentrum, Diskotheken und eine große Zahl an Kneipen und Bars. Natürlich kann man auch immer noch als Kurgast anreisen, die heilende Wirkung der Schwarzwaldluft, die vielfältigen Erholungsmöglichkeiten, die ganze Stimmung verfehlen ihre Wirkung nicht.


 

Quellen:
[1] Prof. Dr. Manfred Eimer, Aus Alt-Freudenstadt
[2] www.murgtal.de
[3] Stuttgarter Zeitung vom 17./18.Juli 1999, Artikel "Freudenstadt vor 400 Jahren gegründet"

 

 
 
Letzte Änderung: 12. April 2002
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