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Die
Geschichte der Stadt Alpirsbach
Vor-
und Frühgeschichte
Das
obere Kinzigtal tritt erst sehr spät, nämlich mit der Gründung der Benediktinerabtei
Alpirsbach in das helle Licht der Geschichte, denn bis zur ersten nachchristlichen
Jahrtausendwende blieb das eigentliche Schwarzwaldmassiv eine gewaltige Siedlungsbarriere.
Der wichtige Anteil der kluniazensischen Reformklöster Hirsau, St. Blasien,
St. Georgen und Alpirsbach an der Siedlungs- und Rodungstätigkeit ist seit
langem bekannt, auch wenn diese zunächst nur die Waldperipherie umfaßten.
Erst im 13. Jahrhundert, in der späten Stauferzeit, ist es dann gelungen,
auch den Hochschwarzwald zu besiedeln. Einem Zufallsfund verdanken wir einen
Hinweis darauf, daß es nicht die Römer gewesen sind, die als erste das unbesiedelte
Waldland unserer engeren Heimat betreten haben. Bei Baggerarbeiten im Kinzigbett
im Stadtteil Rötenbach kam im Herbst 1955 ein tadellos erhaltenes Steinbeil
aus der Jungsteinzeit zu Tage.
Die
Benediktinerabtei 1095 - 1535
Es
gibt Städte, die ihren Ursprung dem Willen eines Landesherrn verdanken, andere
sind an Fernstraßen gelegen, aus Handelsniederlassungen entstanden oder gehen
auf militärisch-strategische Erwägungen zurück. Einige Städte aber verdanken
ihre Entstehung einer Klostergründung, wie etwa St. Gallen und Fulda, aber
auch das 1869 zur Stadt erhobene Alpirsbach. Dieser Ursprung ist noch durchaus
lebendig und wird sichtbar an dem herrlichen romanischen Alpirsbacher Münster
mit den anschließenden Klostergebäuden, die nicht nur für die Stadt ein geistig-geistlicher
Mittelpunkt sind, sondern darüber hinaus eine starke Anziehungskraft erweisen,
denken wir an die „Kirchliche Arbeit von Alpirsbach“ und die sommerlichen
Kreuzgangkonzerte. Am 16. Januar 1095 weihte Bischof Gebhard III. von Konstanz
aus dem Geschlecht der Herzöge von Zähringen und vor seiner Erhebung zur bischöflichen
Würde Mönch von Hirsau, im Tal der Kinzig für eine kleine Gründungskolonie
ein Oratorium. Das ist der urkundlich feststehende Anfang des Benediktinerklosters
Alpirsbach. Aber einem solchen Festakt gehen eine ganze Reihe von Bemühungen
voraus. Es war ja damals vor 900 Jahren nicht viel anders als heute. Vor allem
müssen zwei Voraussetzungen zusammenkommen, damit eine Klostergründung gelingt.
Einmal bedarf es einer opferwilligen Stifterpersönlichkeit oder Stiftergruppe,
die bereit ist, die materielle Grundlage für die Neuansiedlung einer klösterlichen
Familie auf sich zu nehmen und ihr in den immer schweren Anfängen zur Seite
zu stehen, und zum anderen bedarf es eines Mutterklosters, das fähig ist,
eine Gründungskolonie aus seiner Mitte zu entsenden. Nur geistig lebendige,
mit Nachwuchs gesegnete und von missionarischer Sendung erfüllte Klöster konnten
eine solche Aufgabe übernehmen. Stifter des Klosters Alpirsbach waren drei
Adelige: Ruotman von Hausen, Adalbert von Zollern und Graf Alwik von Sulz
am Neckar. Das Stiftungsgut, ein ziemlich großes Waldgelände rund um ein schon
bestehendes Hofgut Alpirsbach, dürfte von den drei Stiftern gemeinsam geerbt
worden sein. Übrigens dürfte der Name Alpirsbach mit dem Namen Adalbert zusammenhängen.
Die Gründungsnotiz enthält kein besonderes Motiv für die Stiftung, außer daß
die drei Stifter von Gottesliebe entflammt auf den Rat des päpstlichen Legaten,
des Bischofs Gebhard von Konstanz, ihr Werk durchführten. Im Jahr vor der
Gründung 1094 herrschte in Schwaben ein großes Sterben, wohl die Pest, und
im folgenden Jahr eine starke Hungersnot.
Wichtig war für die Gründung eines Reformklosters, daß es von allem Anfang
an unter den Schutz des Papstes gestellt und damit exempt wurde. Als Gegenleistung
sollte jährlich an Rom ein Goldstück gezahlt werden. Diese Aufnahme in den
päpstlichen Schutz wurde vom päpstlichen Legaten für Deutschland, Bischof
Gebhard III. von Konstanz verbürgt und richtete sich also nicht gegen den
Diözesanbischof. Sie erhielt die Bestätigung 1101 durch ein Privileg Papst
Paschalis II. In diesem wird Kuno schon als Abt genannt und damit erscheint
das Kloster in seiner Struktur gesichert und gefestigt.
Nach
dem Bau eines hölzernen Oratoriums und einer kleinen, 1099 geweihten
Steinkirche konnte die jetzt noch bestehende monumentale Klosterkirche errichtet
und vermutlich im Jahre 1128 geweiht werden. Das Gotteshaus ist eine dreischiffige,
siebenjochige Säulenbasilika mit Flachdecke über dem Grundriss eines
lateinischen Kreuzes ohne Krypta. Klare Maße von Quadrat und Halbkreis
mit freiem Durchblick ohne Dämmerlicht bestimmen den Raum. Chor, Vierung
und Arme des Querschiffes sind quadratisch, die Absiden halbrund. Die Langschiffjoche
werden von Monolithsäulen mit Würfelkapitellen getragen. Ein Gotteshaus,
das bis auf geringe gotische Veränderungen verschont blieb und lange
Zeit als Grablege adliger Geschlechter diente. So darf Alpirsbach mit Fug
und Recht als Juwel hochromanischer Baukunst gelten, das seinesgleichen sucht.
Nach
dem Anschluss an die Bursfelder Reform 1482 und damit zusammenhängendem
wirtschaftlichen Aufstieg konnte umfangreich gebaut werden, vor allem an den
Patronskirchen und den Klausurgebäuden. Dazu gehört der in den Jahren
1483 bis 1494 geschaffene Kreuzgang, der neben der akustisch herausragenden
Klosterkirche, seit 1952 zu einem begehrten Konzertplatz geworden ist.
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