Die Familie Ziefle aus dem Schwarzwald
 





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Auswanderungen.

Auswanderungen im Herzogtum Württemberg während des 18. Jahrhunderts


 

Viele Namensträger der Familie Ziefle sind ausgewandert. Heute findet man außerhalb Deutschlands Vorkommen vor allem in den USA, aber auch in Kanada und natürlich in Europa.

Die Masse der Auswanderungen konzentriert sich - hauptsächlich zwischen 1751 bis 1755 und dann 1850 bis 1870 - auf die USA. Davor und danach gibt es immer mal wieder Auswanderer, aber nicht in diesem Umfang. Die früheste bekannte Auswanderung eines Ziefle-Namensträgers erfolgt 1752. Die Namen der Auswanderer sind einfach festzustellen: neben den Kirchenbüchern verzeichnen die in Buchform veröffentlichten Passagierlisten der Schiffe jeden einzelnen Einwanderer. Danach ist das weitere Schicksal oftmals (noch) unbekannt.

Auswanderungen im Herzogtum Württemberg während des 18. Jahrhunderts

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bildet der Schwarzwald eine der wichtigsten Auswanderungsregionen im Herzogtum Württemberg. Zu den ausgesprochenen Emigrationsphasen aus dem Herzogtum Württemberg zählen die Jahre 1751 bis 1755 und 1800 und 1805.

Zwischen 1795 und 1799 war die Emigration zu einer Dauererscheinung geworden. Der ökonomische Druck stieg durch ein hohes Preisniveau und wachsende Steuerlast. In den Jahren 1800/1801 stieg daher auch die Zahl der Auswanderer, bis sie durch das generelle Auswanderungsverbot König Friedrichs vom 29.5.1807 völlig zum Erliegen kam.

Das Hauptkontingent der Auswanderer stammte aus der breiten Schicht der Kleinbesitzenden. Religiösen Gründen kamen in der württembergischen Auswanderung des 18. Jahrhunders nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Dürftigkeit und Armut bildeten die wichtigste Ursache für die zahlreichen Auswanderungen.

Auswanderungen zwischen 1815-1870

Die fünfeinhalb Jahrzehnte zwischen Wiener Kongreß 1815 und Gründung des Deutschen Reiches 1870 bildeten die eigentliche Periode der Massenauswanderung aus Südwestdeutschland. Aus dem Königreich Württemberg emigrierten während dieser Zeit insgesamt mindestens 400 000 Menschen.

Bis tief in die 1850er Jahre ist die württembergische Auswanderung von der materiellen Not im Ursprungsland geprägt. Es lassen sich mehrere Phasen unterschiedlicher Wanderungsintensität erkennen. Die Mißernte von 1816 und die dadurch verursachte Hungersnot bewirkten Steigerungen der Lebensmittelpreise von ungewöhnlichem Ausmaß und verstärkten gleichzeitig die bestehende Arbeitslosigkeit. Diese Situation löste den großen Emigrationsstoß im 19. Jahrhundert aus. Zwischen 1818 und 1846 hielt sich die Auswanderung in bescheidenen Grenzen, sieht man von einer erneuten Emigrationswelle 1831/32 wiederum im Zeichen einer spürbaren Teuerung infolge schlechter Ernten ab. Ihren Höhepunkt erreichte sie zwischen 1846 und 1855. Auch hier waren diese Jahre von Mißernten und Teuerung überschattet.

Das Auswanderungsziel

Bis in die späten 1840er Jahre waren die Vereinigten Staaten von Nordamerika, gewöhnlich als „Nordamerika" oder nur als „Amerika" apostrophiert, das wichtigste Zielgebiet der württembergischen Auswanderer geworden. Der Höhepunkt der USA-Emigration wurde in der ersten Hälfte der 1850er Jahre erreicht. Das Absinken des USA-Anteils in der zweiten Hälfte der 1850er Jahre signalisiert den Abbau der vor allem agrarisch bedingten aktuellen Notsituation; der starke Rückschlag zwischen 1861 und 1865 war dagegen wesentlich durch den Sezessionskrieg mitbedingt; der sehr viel höhere Anteil 1866/67 spiegelt das Nachholen aufgeschobener Emigration nach Kriegsende wider, ist aber zum Teil auch als Reaktion auf den Krieg von 1866 und die dadurch mitverursachte Wirtschaftsstockung von 1866/67 zu bewerten, während sich die Konjunktur in den Vereinigten Staaten nach Ende des Sezessionskrieges insgesamt positiv entwickelte.

Bis in die frühen 1830er Jahre war Rußland das wichtigste europäische Zielgebiet der württembergischen Auswanderung gewesen (Bessarabien, Taurien, polnische Provinzen). Dann schloß es sich aber zunehmend durch restriktive Aufnahmebestimmungen vor allem hinsichtlich des Vermögens und des Berufs gegen neuen Zuzug ab. Nur noch einmal in den frühen 1860er Jahren stieg die Zahl der Rußland-Emigranten an, als ein fragwürdig betriebenes privates Unternehmen unter dem Anschein eines großangelegten staatlichen Kolonisationsprojektes Siedler warb.

Unter den überseeischen Zielgebieten fiel die südamerikanische Staatenwelt, deren Siedlungspläne die württembergischen Regierungsbehörden angesichts meist unklarer und ungesicherter Rechtsverhältnisse nicht ohne Grund mit höchster Skepsis betrachteten, nur sehr geringfügig ins Gewicht. In den 1850er und frühen 1860er Jahren gewann dagegen Australien eine gewisse Anziehungskraft, als die Entdeckung ausgedehnter Goldlager (1851) einen beträchtlichen Teil der ohnehin knappen Arbeitskräfte anlockte und deshalb private wie staatliche Stellen mit vorteilhaften Bedingungen Auswanderer anwarben, um das Arbeitskräftepotential zur weiteren Erschließung des Kontinents zu vergrößern.

Die Reisebedingungen

Mußte der Auswanderer im 18. Jahrhundert nach mühseliger Anreise zur Küste und oftmals langen Wartezeiten im Hafen noch mit einer Atlantikpassage bis zu vier und mehr Monaten rechnen (auf der nicht selten 10% und mehr der Schiffsreisenden starben), so dauerte die Überfahrt auf einem Segelschiff um 1834 durchschnittlich nur noch 50, um 1850 durchschnittlich noch etwa 45 Tage, auf einem Bremer Schnellsegler nur noch ca. 35 Tage, auf einem Dampfschiff gar kaum mehr als drei Wochen, und die Sterblichkeit ging schon infolge derartiger Zeitverkürzung spürbar zurück. Um 1817 mußte ein Erwachsener für die Überfahrt mit Verpflegung von Amsterdam nach New York wenigstens 170 fl bezahlen, falls er nicht die Gelegenheit fand, seine Arbeitskraft auf Jahre hinaus dem Kapitän gleichsam als Handelsware zu verkaufen. Um 1850 kostete eine entsprechende Passage kaum mehr als 80 fl. Dennoch blieb die Atlantikpassage für die Armen zu kostspielig, es sei denn, erfolgreiche Verwandte in den Vereinigten Staaten finanzierten ihnen die Reise oder die unterstützungspflichtigen Heimatgemeinden fanden es profitabler, sie mit dem erforderlichen Geld für die Überfahrt und Reisezehrung versehen abzuschieben, als sie auf unbestimmte Zeit mit dem Existenzminimum zu versorgen.

Um sich selbst vor Schaden und unhaltbaren Notständen zu schützen, erließen die Staaten, die von der Auswanderung als Durchgangsländer besonders betroffen waren, wie Holland und Frankreich, Belgien und die Freie Hansestadt Bremen oder auch Bayern Vorschriften über das Mindestvermögen, das Emigranten mit sich führen mußten, wenn ihnen Durchreise und vorübergehender Aufenthalt genehmigt werden sollte.

 

 
 
Letzte Änderung: 4. August 1997
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